Ich will mitspielen!

Wenn ein Junge oder ein Mann mit seinen Fußballsachen auf den Bolzplatz kommt und diesen bereits belegt vorfindet, so wird er wahrscheinlich fragen „Hey, kann ich mitspielen?“. Auch ich habe diesen Satz oft verwendet und so viele schöne Stunden auf dem Fußballplatz verbracht. Der gewöhnliche Akt des „Mitspielens“ mit unbekannten Personen kostete für mich als Mädchen und später als Frau jedoch deutlich mehr Überwindung.

Seit 15 Jahren bin ich nun schon Spielerin des Berliner Fußballclubs Türkiyemspor Berlin. Hier lernte ich die richtige Technik, die richtige Taktik und das gute Zusammenspiel. Vor allem lernte ich in der Mädchen- und Frauenabteilung jedoch den Mut zum Spiel. In meinem Team muss ich nicht beweisen, dass Frauen Fußball spielen können sondern muss mich als Spielerin in den Augen der Trainer:innen durchsetzen um beim nächsten Spiel aufgestellt zu werden.

Auf dem Bolzplatz ist das anders. Wenn ich auf einen Platz komme, mit überwiegend männlichen Spielern, so werde ich zuerst als Frau und dann erst als Fußballspielerin wahrgenommen. Das bedeutet auch, dass meine Leistung im Spiel nicht nur auf mich zurückfallen wird. Eine schlechte Leistung, wird das Bild bestätigen, dass Frauen kein Fußball spielen können. Eine gute Leistung wird meist den Satz hervorrufen: „Frauen können also doch Fußball spielen“. Für diesen Satz mache ich die kühne Annahme, dass jede Fußballspielern diesen bereits zu hören bekommen hat. Das vermeintliche Kompliment ist aber nicht als solches aufzufassen. Ein Fußballspieler wird nie den Satz: „Männer können also doch Fußballspielen“ gehört haben.

Der Unterschied ist, dass ein Fußballspieler immer als Individuum auf den Platz tritt und sich vor den anderen Spieler:innen sportlich beweisen muss. Sollte er einen schlechten Tag haben oder einfach ein schlechter Fußballspieler sein, so wird ihm, dem Individuum, das Versagen zugeschrieben. Eine Fußballspielerin tritt auf den Platz und muss nicht nur sich selbst als Spielerin sondern auch das spielerische Talent aller Frauen unter Beweis stellen. So lastet ein enormer Druck auf ihren Schultern. Dieser Druck wird auch ihr Spiel und Gebärden auf dem Platz Beeinflussen.

Fußballerinnen werden sich jedoch den Spaß nicht nehmen lassen und den Platz weiterhin für sich beanspruchen. Sie werden weiterhin Fragen: „Hey, kann ich mitspielen?“ und zumindest sie wissen, dass sie als Individuum auf den Platz treten.